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Eine Liebe in Berlin
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в ответ regrem 07.10.15 20:04, Последний раз изменено 24.10.15 19:02 (regrem)
Man schrieb den 31. Dezember des Jahres 1899. Die frühe Dämmerung des Wintertages war hereingebrochen, als Justus Weigand, Student der Medizin im letzten Semester, das Zimmer Professor Hübners verließ und dem Ausgang der Kinderklinik zustrebte, die zum großen Komplex der Charité gehörte. Eine Diakonisse in strenger, steif gestärkter Tracht zündete auf dem Gang die Gaslampen an. Justus Weigand schenkte ihr im Vorübergehen ein rasches, abwesendes Lächeln, ohne den sehnsüchtigen Blick der jungen Schwester zu bemerken. Er eilte weiter, ein hochgewachsener, magerer Mann von fünfundzwanzig Jahren, mit schmalem, nach hinten stark gewölbtem Schädel, dichtem dunkelbraunen Haar und ausgeprägten Jochbogen, die seine Wangen hohl erscheinen ließen. Im Geist war er mit den Argumenten Professor Hübners beschäftigt, dem Chef des Hauses, von dem er kam. Sein Doktorvater hatte ihm Anregungen für die Dissertation gegeben, mit deren Für und Wider er sich innerlich noch auseinandersetzte. Der alte Pförtner, ein Veteran von 1870/71, grüßte schon von weitem. »Juten Abend, Herr Doktor! Ein frohes neues Jahr wünsch ick Ihnen och!« Er salutierte militärisch, die Hand an der Mütze. »Danke, Pachulke!« Justus Weigand trat ins Freie. Einen Atemzug lang blieb er erschauernd stehen. Die Winterluft war schneidend kalt. Er schlug sich den dicken, handgestrickten Schal, ein Geschenk seiner Cousine Clementine vom vorjährigen Weihnachtsfest, doppelt um den Hals, warf die Enden nach hinten, bohrte die Fäuste in die Taschen, schob die Schultern vor und stürzte sich in den Dezemberabend wie in ein eisiges Bad. Das Gelände der gewaltigen Krankenstadt war wie ausgestorben. Nur wenige Besucher, die sich verspätet hatten, tauchten zwischen den roten Ziegelgebäuden auf. Schwestern, Krankenpfleger und Ärzte, die zum Nachtdienst eingeteilt waren, hasteten ihm entgegen. Justus Weigand schenkte ihnen keinen Blick, eilte mit weit ausholenden Schritten vorwärts. Es war mehr als sieben Jahre her, seit er aus seinem schlesischen Heimatdorf Görzen in die Hauptstadt gekommen war. Eine Abteilung der alten Charité nach der anderen hatte in dieser Zeit den Erfordernissen der Wissenschaft und dem Andrang der Patienten und Studenten nicht mehr entsprochen, war Hammer und Spitzhacke zum Opfer gefallen; Neues war allenthalben im Entstehen. Justus Weigand kannte sich aus in diesem Gewirr von Gebäuden, von Baustellen und Bauschutt, weiten Rasenflächen und Gruppen uralter Linden und Kastanien, die jetzt ihre vom Frost entlaubten Äste in den lichtlosen Winterhimmel streckten. Seine Liebe zur Charité war frei von Sentimentalität; er bedauerte nicht, dass die historischen Operations- und Hörsäle, Laboratorien und Krankenzimmer dem Untergang geweiht waren. Es lag ihm auch fern, Kritik an der neuen Charite zu üben, die da entstand. Dass der Baustil, in dem sie errichtet wurde, diese geschmacklose Neugotik mit ihren verspielten und völlig sinnlosen Erkern und Türmchen, geradezu hässlich war, ließ ihn kalt. Wichtig war ihm und den meisten seiner Kollegen nur, dass die neuen medizinischen Arbeits- und Forschungsstätten den letzten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprachen. Während seines Studiums hatte er viele epochale Entdeckungen aus der Nähe miterlebt. Behring hatte das Heilserum gegen die Diphtherie entwickelt, Karl Ludwig Schleich die Lokalanästhesie, Röntgen die X-Strahlen, Ludwig Rehn war es als erstem gelungen, eine Herznaht mit Erfolg zu setzen, Bergmann hatte sein grundlegendes Buch über die Gehirnchirurgie geschrieben, Dreser das Aspirin eingeführt und damit die Bahn frei gemacht für die Verwendung synthetischer Heilmittel. Um die Jahrhundertwende war die Charité das Weltzen¬trum der Medizin, und Justus Weigand war stolz darauf, ihr anzugehören. Sobald Justus Weigand das stillere Klinikviertel hinter sich gelassen hatte, umbrandeten ihn Lärm und Getriebe. Die Friedrichstadt, noch vor kurzem begehrtestes und teuerstes gutbürgerliches Wohnviertel, hatte ihren Glanz verloren. Die feinen Leute waren nach Moabit, in die Zoogegend, zum Tiergarten hin ausgewichen. Arbeiter, kleine Handwerker und Geschäftsleute waren nachgedrängt. Die Friedrichstraße selbst, einst Hauptverkehrsader der Stadt, war zur billigen Einkaufsstraße geworden. In den Läden wurden »Occasio-nen«, preiswerte Gelegenheitskäufe, angepriesen. Nachts lockten Kaschemmen, Bierlokale und anrüchige Cafés. Pferdebahnen, Droschken und Kaleschen - ratterten über die Fahrbahn, die Hufe der Rosse knallten auf das Pflaster, ihr Atem stieg wie Dampf in die Dezemberluft. Dazwischen puckerte und tuckerte eines der frühen Automobile, an die sich die Berliner leichter gewöhnt hatten als die Pferde, die immer noch hochgingen, wenn ihnen eines der schnaufenden Ungetüme zu nahe kam. Justus Weigand nahm jede Einzelheit dieses wirbelnden Kaleidoskops in sich auf. Die Berliner waren stolz auf ihr Tempo. Aber selten hatte es ihn so beeindruckt wie heute. Wenn zwei Bekannte einander begegneten, warfen sie sich wohl einen lachenden Gruß zu, aber niemand nahm sich die Zeit zu einem Schwatz, jeder schien es eilig zu haben — nur weiter, schnell, schnell, keine Minute verlieren! —, als wenn sie es nicht erwarten könnten, die letzten Stunden des Jahres und des Jahrhunderts endlich hinter sich zu bringen. Selbst die Menschen, die sich einsam fühlten, die gar nichts vorhatten in dieser einmaligen Nacht, die vom Schicksal Geschlagenen und Beiseitegeschobenen, wurden von dem allgemeinen Schwung mitgerissen und vergaßen, wenigstens für kurze Zeit, dass sie ihr Ziel längst verloren hatten. Heisere Jungen stimmen schrien an den Straßenecken Zeittungen aus, das »Berliner Tageblatt«, den »Berliner Lokal-Anzeiger«, die »Vossische Zeitung«. »Große Ansprache des Kaisers vor dem Regiment Alexanders ..., >Wir gehen herrlichen Zeiten entgegen<« — »Deutschland lehnt Bündnisverhandlungen mit Großbritannien ab! « - »Heißerkämpfter Sieg der Buren!« Justus Weigand widerstand der Versuchung, eine Zeitung zu erstehen. Das wäre eine Ausgabe gewesen, die für ihn Luxus bedeutet hätte. Er hatte sich ein Sparprogramm zurechtgelegt, an das er sich eisern hielt, denn nur so war es ihm möglich, aus den wenigen Mitteln, die er von zu Hause erhielt, und den spärlichen Einnahmen, die er durch Nachhilfestunden und Einpaukereien erzielte, sein langwieriges und teures Studium zu finanzieren. Er bog in die Elsässerstraße ein und bald darauf in den Toreingang des ehemaligen hochherrschaftlichen Hauses, an dessen Vorderfront riesige Karyatiden einen nutzlosen Balkon trugen. Der Hinterhof, der sich in der warmen Jahreszeit einiger grüner Büsche und eines kümmerlichen Stückchens Rasen rühmen durfte und deshalb von dem Hausbesitzer und den Vermietern als Garten bezeichnet wurde, zeigte jetzt sein graues, ödes Wintergesicht. Nur in wenigen Fenstern brannte Licht, die meisten starrten aus dunklen, toten Augen auf den kahlen quadratischen Platz hinab. Im Keller linker Hand war eine Schusterwerkstatt. Ganz gleich, ob Justus Weigand am frühen Abend oder spät in der Nacht nach Hause kam, hier wurde immer gearbeitet. Justus Weigand blieb kurz stehen, bückte sich, pochte gegen das Fenster. Emil Kandier blickte auf, reckte die Schultern, entblößte die gelben Zähne unter dem Walroßschnurrbart. Seine Glatze schimmerte im Licht der Petroleumlampe mit der gläsernen Schusterkugel um die Wette. Justus Weigand formte mit den Lippen ein lautloses: »Guten Abend!« — Das war die Art der beiden Männer, sich zu begrüßen. Vor das Kellerfenster nebenan war der schwere Vorhang vorgezogen. Frau Lotte, die bis zu ihrer Verheiratung Stubenmädchen in einem vornehmen Hause gewesen war, wusste, was sich gehörte. Wenn sie auch jetzt unter den bescheidensten Verhältnissen lebte — die Schusterfamilie hauste in einem einzigen Zimmer neben der Werkstatt, und der vierte Sprössling war schon unterwegs —, so hielt sie doch alles sauber und fand immer noch Zeit und Kraft, auf Anstand und Schick zu achten. Justus Weigand mochte diese Leute. Die Freundschaft zwischen dem jungen Mediziner und der Handwerkerfamilie hatte aber auch eine praktische Seite, es bestand ein stillschweigendes Abkommen zwischen ihnen. Emil Kandier reparierte das Schuhzeug des Studenten kostenlos, schusterte ihm auch gelegentlich ein Paar Stiefel zu, die vom eigentlichen Besitzer nicht abgeholt worden waren. Justus Weigand revanchierte sich dafür, indem er der Familie bei jeder kleinen oder größeren Krankheit mit Rat und Tat zur Seite stand. Tatsächlich besaß er natürlich noch nicht das Recht zu praktizieren, aber darüber machte er sich keine Gedanken. Er war sicher, dass er keinem fertig ausgebildeten Kollegen das Brot wegnahm. Kändlers hätten sich nur im äußersten Notfall an einen Doktor gewandt, weil sie sich die Ausgabe für Behandlung und Medizin einfach nicht leisten konnten. Trotz des steigenden Wohlstandes der Großstadt verdiente die breite Masse der Bevölkerung nur wenig, war eigentlich arm zu nennen und hatte keine Aussicht, am Reichtum der vom Schicksal Bevorzugten je teilzunehmen. In seinen Lehr¬jahren an der Charité hatte er es nur zu oft erlebt, dass einfa¬che Leute zu spät eingeliefert wurden. Sie scheuten den Arzt, glaubten mit jeder Erkrankung am schnellsten fertig zu werden, indem sie sie gar nicht beachteten. Denn Kranksein bedeutete, nicht arbeiten zu können, und nicht zu arbeiten hieß nichts verdienen und möglicherweise sehr rasch Stellung und Wohnung verlieren. Justus Weigand dachte an diesem Dezemberabend an die soziale Ungerechtigkeit, an die er sich nie würde gewöhnen können. Aber diese Gedanken waren ihm so vertraut, dass sie ihm nur flüchtig durch den Kopf schössen. Im Moment gab es anderes, das ihm näherlag und ihn mehr beschäftigte. Er durchschritt den Torweg des sogenannten Gartenhauses, das in jeder Beziehung dem Vorhaus entsprach, nur dass seine Fassade schmucklos war, durchquerte den zweiten Hof und trat durch die breite Tür aus billigem Holz, von dem die dicke Farbschicht abblätterte, in das Stiegenhaus des zweiten Gartenhauses. Elastisch kletterte er die ausgetretenen Stufen hinauf, vorbei an den Wohnungstüren zur Linken und Rechten, die neben dem Schild des eigentlichen Wohnungsinhabers mit Visitenkarten der studentischen Untermieter geradezu gepflastert waren. Er selbst wohnte im fünften Stock bei der Witwe Göbern. Schon hatte er seinen Schlüsselbund in der Hand und wollte die Etagentür aufschließen, als er in der Bewegung innehielt. Er hatte keine Lust zu dem üblichen Rede- und Antwortduell mit seiner Wirtin. Eine andere Tür führte direkt von der Treppe her in sein Zimmer, und die Witwe Göbern hatte ihm den Schlüssel dazu anvertraut — ein hohes Privileg, das er sich durch viele Jahre murrelosen und treuen Wohnens verdient hatte. Zu Anfang hatte er ganz am Ende der Wohnung gehaust, noch hinter dem fensterlosen Berliner Zimmer. Im Lauf der Jahre war er dann immer weiter nach vorn, dem Treppenhaus zu, vorgerückt, bis er endlich das begehrte Zimmer mit dem Separateingang erobert hatte. »Aber nur, weil ich weiß, dass Sie ein anständiger junger Mann sind«, hatte die Wirtin betont, als sie ihm den Schlüssel zur Freiheit aushändigte. Aber sie sah es nach wie vor nicht gern, wenn er diesen Eingang tatsächlich benutzte, und Justus Weigand nahm, wenn auch nur um des lieben Friedens willen, meist Rücksicht auf ihre Gefühle. Doch heute, ausnahmsweise, machte er von seinem Recht Gebrauch. Das Zimmer war finster. Die spärliche Glut im Ofen warf einen matten rötlichen Schein auf das schwarzgestrichene Blech, das den ausgefransten Teppich vor herausfliegenden Funken schützen sollte, hatte aber nicht die Kraft, den kleinen Raum zu erhellen. Vor dem Rechteck des vorhanglosen Fensters stand der Himmel im Widerschein der Großstadtlichter. Justus Weigand schloss die Tür hinter sich. Er trat zum Ofen und hielt beide Hände flach ausgestreckt darüber. Nach der schneidenden Kälte draußen und im Treppenhaus war selbst die schwache Wärme, die der Ofen ausstrahlte, eine wahre Wohltat. Einige Sekunden blieb er so stehen, ohne sich zu rühren, bis sich seine Augen an das Dunkel gewöhnt hatten. Er wandte sich um, war mit zwei knappen Schritten am Tisch, ertastete die Petroleumlampe, nahm die Milchglaskugel und den Zylinder ab und legte sie sorgsam beiseite. Er bückte sich, zog Zeitungspapier aus der Kiste, in der Brennmaterial aufbewahrt war, faltete das Blatt zu einem Fidibus zusammen und schob ihn durch die Ofentür. Er hielt ihn so lange in die Glut, bis er aufflammte. Dann richtete er sich auf, hielt die Flamme nach oben, damit der Fidibus nicht so schnell abbrenne, und entzündete dann mit ihm den kreisrunden Docht der Lampe. Er warf das brennende Stück Papier in den Ofen, setzte Zylinder und Schirm wieder auf und schraubte den Docht niedriger. Er füllte die Blechschüssel auf der wackligen Kommode mit Wasser aus der hohen Kanne und stellte sie oben auf den Ofen. Er schob ein Stück Holz nach und gab drei Kohlen dazu. Er tat dies alles mit der Sorgfalt und Genauigkeit eines Mannes, der gewohnt ist, im Labor mit exakten Maßen und Gewichten zu arbeiten, und sich dazu erzogen hat, selbst kleinste Ungenauigkeiten zu vermeiden. Dies Zimmer enthielt alles, was er brauchte — ein schmales Bett, in dem er schlafen, einen Tisch, an dem er arbeiten und essen konnte, einen Kleiderschrank, eine Kommode, die Platz für seine Wäsche bot und auch einen Teil seiner Bücher aufnahm. Auch ein Stuhl und ein reichlich ausgewerkelter Armsessel waren vorhanden. Der Großteil seiner Bücher -philosophische Werke, Werke über Physik und Chemie, dicke medizinische Wälzer - lag teils aufgeschlagen oder mit eingelegten Lesezeichen auf dem Tisch, teils waren die Bände hoch oben auf dem Schrank und auf der Platte der Kommode gruppiert oder ohne System übereinandergestapelt. Er hatte sie sich alle buchstäblich vom Munde abgespart, die meisten aus zweiter oder dritter Hand und fast immer nach langwierigem Feilschen erstanden. Wenn er über all diese Schätze hinwegblickte, fühlte er sich reich. Das lieblos eingerichtete Zimmer, das eher einer Kammer glich, bedeutete viel für ihn. Es war sein Reich, in dem er allein regierte. »In den Suppentopf kann einem niemand hineinsehen«, hatte seine Mutter daheim in Görzen immer gesagt, als er noch ein kleiner Junge war. Daran hielt er sich auch heute noch. Wenn unternehmungslustige Kommilitonen ihn in ein Lokal mitschleppen wollten und in seiner Tasche nicht einmal mehr Pfennige klingelten, konnte er sie mit der Erklärung abwehren: »Nichts zu machen, ich esse zu Hause.« Das war unwiderlegbar. Niemand konnte wissen, dass dieses Essen oft aus nichts anderem als einem trockenen Kanten Brot bestand, manchmal auch nur aus einem Glas Leitungswasser - Justus Weigand hatte die Erfahrung gemacht, dass selbst das, wenn auch nur sehr vorübergehend, den Magen füllte. Heute jedoch konnte und musste er sich etwas Nahrhaftes gönnen, denn eine lange Nacht lag vor ihm. Er wickelte sich aus dem handgestrickten Schal seiner Cousine Clementine und hängte ihn über den Haken hinter der Tür. Er zog seinen abgetragenen Paletot aus, pustete über den schwarzen Samtkragen und hängte ihn sorgfältig über einen Bügel. Diese verdammten Feiertage! Es war jedes Jahr dasselbe und diesmal doppelt schlimm: Es war kein gewöhnliches Silvester, das ihm bevorstand, sondern eine Jahrhundertwende, und er konnte sie nicht still für sich allein bei seinen Büchern verbringen oder mit ein paar Freunden feiern, sondern er musste sich ausgerechnet heute um Cousine Clementine kümmern. Feiertage! Wozu waren die gut? Es gab keine Vorlesungen. Man konnte sich nichts dazuverdienen, musste aber trotzdem mit jeder Menge Extraauslagen fertig werden. Justus Weigand zog die Geldbörse aus der Hosentasche, zählte stirnrunzelnd seine Barschaft. Viel war es nicht, aber immerhin, es musste reichen. Er holte den dunklen Brotlaib aus dem Schrank, schnitt eine dicke Schnitte herunter, bestrich sie mit Schweineschmalz und streute Salz darauf. Er säuberte das Messer, indem er es durch das Brot zog. Dann biss er kräftig in seine Stulle, aß mit dem gesunden Appetit der Jugend, aber ohne Gier, langsam und mit Bedacht, kräftig kauend. Das Wasser auf dem Ofen war inzwischen warm geworden. Er schliff das Rasiermesser am Lederriemen, seifte sein Gesicht ein und schabte sich vor dem halbblinden kleinen Spiegel über der Kommode die Stoppeln ab. Er zog sich aus, wusch sich von Kopf bis Fuß und schlüpfte in frische Wäsche, in sein bestes, auf der Brust gefälteltes Hemd, in die Hose seines guten schwarzen Anzuges. Aber während er dies alles tat, waren seine Gedanken schon wieder voll und ganz auf seine Dissertation konzentriert, mit der er zum Doktor promovieren wollte: »Kreislauf und Stoffwechsel des Säuglings.« Professor Hübner hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er, um das Thema wirklich in den Griff zu bekommen, nicht beim Säugling beginnen, sondern erst das ungeborene Kind darstellen müsste, das ja noch mit und von der Mutter lebt. War das richtig? Oder führte das nicht doch zu weit vom eigentlichen Thema ab? Ohne zu merken, was er tat, zog Justus Weigand den Stuhl zum Tisch, blätterte in den ersten Seiten seiner handgeschriebenen Arbeit. Der Moment der Geburt, der Moment des ersten entscheidenden Atemholens, damit hatte er begonnen. Aber was war vorher? Er kramte in seinen Notizen, schlug Fachbücher auf und las nach, ohne eine befriedigende Antwort zu finden. Er begann zu schreiben, die Unterlippe zwischen die Zähne gezogen, eine steile Falte über der Nasenwurzel. Die Turmuhr der Johanniskirche schlug zweimal die volle Stunde an, aber es wurde ihm nicht bewusst. Er war ganz und gar in seine Arbeit vertieft. Auch als von der Wohnung her an seine Tür geklopft wurde, sah er nicht auf. Erst beim drittenmal, als das Klopfen schon mehr einem kräftigen Fausthieb glich, hob er den Kopf. »Herein«, sagte er mechanisch und hatte Mühe, sich in der Gegenwart zurechtzufinden. Die Tür wurde mit Schwung geöffnet, und sein Freund, der Korpsstudent Arnold Scheer, trat ins Zimmer, prächtig anzuschauen im vollen Wichs der feudalen Studentenverbindung, der er angehörte. Er trug eine runde, goldbetreßte Kappe auf dem schütteren blonden Haar, glänzende schwarze Stulpenstiefel an den etwas zu kurz geratenen Beinen, eine breite farbige Schärpe, die ihn als Chargierten auswies, um den strammen Bauch und den langen Säbel in kunstvoll geschmiedeter Scheide an der Seite. »Hallo, alter Junge!« dröhnte Scheer. »Welcher Glanz in meiner Hütte!« gab Justus Weigand zurück. »Du trittst ja auf wie Lohengrin persönlich.« Arnold Scheer schlug mit einer eleganten Bewegung sein großzügig geschnittenes Cape zurück. »Hab' noch eine Sitzung heute abend.« »Ihr wollt euch doch wohl nicht etwa noch in der letzten Nacht des Jahrhunderts die Gesichter zerhacken?« Unwillkürlich fuhr Arnold Scheers Hand an seine linke Wange und strich sich nicht ohne Genugtuung über den breiten, kräftigen Schmiß. »Ach wo«, sagte er, »nichts dergleichen. Es wird ein ganz offizieller langweiliger Kommerz. Ein paar Alte Herren werden die Gelegenheit wahrnehmen, weise Lehren und den Born ihrer reichen Jugenderinnerungen über uns zu ergießen.« Justus Weigand schüttelte sich leicht. »Und da gehst du hin?« Arnold Scheer zuckte mit den Achseln. »Was bleibt mir anderes übrig? Ich habe eben gewisse gesellschaftliche Verpflichtungen.« Obwohl er reines Hochdeutsch sprach, war sein rheinischer Stimmfall, dieser gewisse schmeichelnde Singsang, der Justus Weigand immer belustigte, nicht zu überhören. Arnold Scheer, Sohn aus reichem Hause, stammte aus Krefeld; er studierte schon eine beträchtliche Reihe von Semestern länger in Berlin als sein Freund. Er war zuerst in Heidelberg gewesen. »Du lieber Himmel!« sagte Justus Weigand, durchaus ohne Neid. Arnold Scheer hakte sein Cape auf und warf es über das Bett. »Jedenfalls bin ich froh, daß ich dich doch erwischt habe!« Er ließ sich in den Sessel plumpsen. »Die Göbern wollte mir doch wahrhaftig weismachen, du wärst noch nicht zu Hause. Dabei hockst du natürlich wieder über deinen Folianten, genau wie ich es mir vorgestellt habe.« Justus Weigand schob seinen Stuhl zurück, um den Freund besser zu sehen. »Sie konnte es nicht wissen«, sagte er und fügte mit einer Kopfbewegung zur anderen Tür hinzu: »Ich bin durch den Geheimeingang gekommen.« »Herrje!« Arnold Scheer fuhr hoch, mimte Bestürzung. »Dann störe ich wohl! Warum hast du mir nicht gleich einen Wink gegeben?« Er sah sich mit halb gespieltem, halb echtem Interesse im Zimmer um. »Wo hast du die Dame versteckt?« Justus Weigand lachte. »Dreimal darfst du raten!« »Im Schrank? Unter dem Bett? Also - sehr viele Möglichkeiten gibt es hier ja nun wirklich nicht!« »Alter Schafskopf!« »Ist wirklich niemand bei dir?« »Natürlich nicht. Das hätte gerade noch gefehlt. Ich habe' den Kopf schon voll genug.« Arnold Scheer grinste. »Wenn du mich fragst, so sind Liebe und Leidenschaft zwar nicht gerade Dinge, die man mit dem Kopf betreibt, aber da du ja selber Mediziner bist, brauche ich wohl nicht in Details zu gehen, um dir klarzumachen . . .« Justus Weigand schnitt ihm das Wort ab. »Bestimmt nicht. Ich weiß Bescheid. Sag mir lieber... wie kommst du mit deiner Dissertation voran?« Arnold Scheer ließ sich wieder in den Sessel zurückfallen; er legte sein leicht aufgeschwemmtes Gesicht in kummervolle Falten. »Gar nicht.« »Aber erlaube mal! Wir haben doch zumindest die ersten Kapitel in allen Einzelheiten durchgesprochen!« Arnold Scheer hob die Hände und ließ sie hilflos wieder sinken. »Ja, wenn du mit mir redest, dann verstehe ich ja auch alles, alter Junge, jedenfalls kommt es mir so vor. Aber sobald ich dann mutterseelenallein vor meinem Schreibtisch sitze. ..« Er ließ den Satz in einem tiefen Seufzer ausklingen. »Du bist doch wirklich der größte Esel des Jahrhunderts«, sagte Justus Weigand freundschaftlich. Arnold Scheer riss die Augen auf. »Des vergangenen oder des neuen?« Er legte beschwörend seine breite, gepflegte Hand auf Justus Weigands Knie. »Im Ernst, Justus, du mußt mir helfen. Ohne dich schaffe ich es einfach nicht.« »Wenn ich nur nicht — gerade jetzt — selbst so viel um die Ohren hätte! Kannst du nicht noch ein Semester zugeben, bis ich mit den Prüfungen fertig bin?« »Wenn's nach mir ginge... sofort! Aber mein alter Herr fangt an, ungeduldig zu werden. Er will mich sobald wie möglich wieder in Krefeld haben. Mit oder ohne Examen.« »Aber dann...« Arnold Scheer ließ ihn nicht ausreden. »Ich brauche den Abschluß. Fast zehn Jahre habe ich nun 'rumstudiert, und wenn ich ohne Titel nach Hause komme, mache ich mich selbst zur Witzblattfigur. Meinen Eltern wird es nicht genügen, daß ich eine herrliche Zeit hatte.« Justus Weigand wollte etwas einwerfen, aber der Freund kam ihm zuvor. »Und du«, sagte er beschwörend, »mach mir doch nichts vor, du kannst Geld doch dringend brauchen, wie? Natürlich würde ich dir auch die Moneten für den Druck der Dissertation und so weiter pumpen - aber wie ich dich kenne, wäre das doch nicht nach deinem Geschmack.« »Ich hasse Schulden.« »Na also. Sehr ehrenwerter Standpunkt, würde mein alter Herr sagen. Schmink dir alle anderen Extraarbeiten ab, Justus, und konzentriere dich darauf, mich durchzuziehen — ich halte dich dafür über Wasser.« Justus Weigand hatte durchaus noch Bedenken, aber es schien ihm unfair, den Freund länger zappeln zu lassen. »Also gut, einverstanden«, sagte er, »glaub bloß nicht, daß ich mich wie eine alte Jungfer ziere. Aber du mußt mir versprechen, daß du dir wenigstens Mühe gibst und mich nicht alle Arbeit allein machen läßt... die mündliche Prüfung kann ich dir beim besten Willen nicht abnehmen.« Arnold Scheer zeigte ungeniert seine Erleichterung. »Ich danke dir, Justus.« Er schlug ihm mit Vehemenz auf die Schultern. »Ich wußte ja, daß ich mich auf dich verlassen kann. Die Einzelheiten besprechen wir dann nächstes Jahr, ja? Die Frage ist nur. .. was fangen wir jetzt mit dem angebrochenen Abend an?« »Ich dachte, du wolltest zu deinen Korpsbrüdern?« »Ja, ich muß. Und anschließend zum Ball der Philharmonie, da trifft sich heute tout Berlin, und ich bin es einfach meinem Ruf schuldig... Aber nachher, Justus, so ab eins, könnten wir uns dann nicht irgendwo treffen?« Justus Weigand fuhr sich etwas verlegen mit allen fünf Fingern der rechten Hand durch das starke braune Haar. »Du wirst lachen«, sagte er, »aber ausnahmsweise bin ich für heute nacht vergeben.« »Also doch eine Frau! Du, das habe ich gleich gemerkt, als ich hier hereinkam. Für so etwas hab' ich eine Nase, weißt du. Also raus mit der Sprache! Wie alt ist sie? Wo wohnt sie? Wie hast du sie kennengelernt? Wie heißt sie?« Justus Weigand lächelte schief. »Leider muß ich dich enttäuschen, Arnold. Sie ist meine Cousine... das heißt, unsere Mütter waren Cousinen. Ich habe sie kennengelernt, als ich sieben Jahre alt war, und sie ist heute... also ganz ehrlich, ich weiß nicht mal, wie alt sie wirklich ist. Einundzwanzig oder zweiundzwanzig möchte ich annehmen. Ich habe sie eine Ewigkeit nicht mehr gesehen, kann mir nicht einmal vorstellen, wie sie jetzt aussieht.« »Eine pikante Situation«, sagte Arnold Scheer wohlgefällig. »Das Cousinchen vom Lande ist also plötzlich in der Großstadt aufgetaucht... Du, ganz ehrlich, ist das nun die Wahrheit oder nur die Version für die Göbern?« Justus Weigand stand auf. »Ich habe doch keinen Grund, dir etwas vorzumachen!« Er öffnete den Schrank und holte ein Paar Lackstiefeletten heraus. »Die Göbern brauche ich übrigens auch nicht zu beschwindeln, Clementine wird bestimmt diese Schwelle nie überschreiten.« »Clementine«, wiederholte Arnold Scheer und ließ den Namen genüßlich über die Zunge rollen. Justus Weigand nahm einen Lappen, fuhr polierend über das Lackleder. »So plötzlich, wie du glaubst, ist sie übrigens gar nicht aufgetaucht. Sie ist schon ein paar Monate hier. Ich wundere mich, daß ich das doch nicht erzählt habe.« »Weil du ein Heimtücker bist.« »Nein, wahrscheinlich, weil mich diese Tatsache bis heute kaum beschäftigt hat. Sie ist als Erzieherin mit einer Familie Thielemann aus Schlesien nach Berlin gekommen, na, und du weißt ja, wie diese armen Mädchen ausgenutzt werden. Sie hat heute zum erstenmal abends Ausgang...« »Nun erzähl mir bloß nicht wieder etwas von sozialer Ungerechtigkeit und daß jeder Mensch Anspruch auf eine zeitlich begrenzte Arbeitszeit und bezahlten Urlaub haben sollte und all den anderen utopischen Blödsinn«, sagte Arnold Scheer rasch, »du hast doch selbst Sorgen genug, was mußt du dir dauernd wegen anderer Leute den Kopf zerbrechen! Sag mir lieber, was du nun heute abend mit dem Cousinchen vorhast?« »Sie hat von ihrer Gnädigen zwei Karten für den Ball der Singakademie bekommen.« Arnold Scheer hob die blonden Augenbrauen. »Singakademie? Ziemlich fade Angelegenheit, kannst du mir glauben. Spätestens um ein Uhr wirst du die Nase gestrichen voll haben.« »Mal sehen.« Justus Weigand schlüpfte in seine Stiefeletten, knöpfte sie zu. Er betrachtete kritisch seine Füße. »Nicht schlecht. Aber reichlich unbequem.« »Wahrscheinlich 'ne Nummer zu klein. Dann geht dir noch eher die Puste aus. Treffen wir uns zwischen eins und zwei im Cafe Greiff, mit oder ohne Cousine.« Justus Weigand stand auf und nahm seine schwarze Jacke aus dem Schrank. »Wenn es möglich ist - festlegen kann ich mich da nicht.« Es wurde an die Tür geklopft, und fast im selben Augenblick schob sich die Witwe Göbern ins Zimmer, ein Tablett mit zwei Tassen Tee und einer Zuckerdose vor sich her tragend. »Ach, Herr Weigand«, sagte sie süßlich, »Sie sind also doch da, und ich hätte schwören können, daß Sie noch nicht nach Hause gekommen sind.« Ihre Augen hatten die fatale Neigung, nach links und rechts auseinanderzurutschen, so daß beide jungen Männer das Gefühl hatten, von ihr fixiert zu werden. »Wahrscheinlich haben Sie ein kleines Nickerchen gemacht«, schlug Arnold Scheer als Erklärung vor. »Aber nein! Wo denken Sie hin! Doch nicht am hellichten Tag!« Die Witwe Göbern stellte das Tablett auf den Tisch. »Warum nicht? Ich könnte es gut verstehen, wenn Sie sich für die Nacht stärken wollen!« Arnold Scheer umfaßte die knochigen Hüften der Witwe. »Sie haben doch sicherlich etwas vor? Oder nicht? Wie war's dann mit uns beiden?« Die Witwe Göbern befreite sich kichernd und einigermaßen geschmeichelt. »Aber — Herr Scheer! Immer diese Spaße, Sie sind ja ein ganz Gefährlicher!« Sie lief zur Kommode, betrachtete sich in dem kleinen halbblinden Spiegel, steckte ihre grauen Strähnen fest. »Nett von Ihnen, daß Sie uns einen Tee bereitet haben, Frau Göbern«, sagte Justus Weigand, bemüht, das Gespräch in ein normales Gleis zu bringen. »Ich habe mir gerade selber ein Täßchen aufgegossen, und da dachte ich mir...« »Sehr nett von Ihnen!« Er öffnete einladend die Tür zum Gang. Die Witwe Göbern sah sich hinauskomplimentiert. »Dann will ich nicht länger stören«, sagte sie, um sich einen guten Abgang zu schaffen. »Aber das tun Sie doch gar nicht!« rief Arnold Scheer. »Haben Sie nicht noch ein bißchen Zeit?« Die Witwe Göbern bedachte ihn mit dem ganzen Schmelz ihres Silberblicks. »Wenn Sie mich so fragen, Herr Scheer...« »Wunderbar!« Arnold Scheer nahm den Paletot seines Freundes vom Bügel, drückte ihn der Wirtin in die Hand. »Dann seien Sie doch so gut und bürsten Sie Weigands Mäntelchen ein bißchen aus, ja?« Er legte den Arm um ihre mageren Schultern und schob die verdutzte Wirtin zur Tür hinaus. Die beiden Männer lachten. »So muß man mit der alten Schachtel umgehen«, sagte Arnold Scheer, »in diesem Punkt könntest du etwas von mir lernen!« Es reizte Justus Weigand, dem Freund zu erklären, daß er sich solche Scherze nur deshalb erlauben konnte, weil sein Reichtum der Wirtin imponierte. Aber er sagte nur: »Ich bin nicht du!« Und fügte hinzu: »Sei vorsichtig, sie ist schon ganz wild auf dich.« Arnold Scheer zog eine kleine Grimasse. »Mein Pech. Bei jungen Mädchen komme ich nicht an. Aber so eine alte Hexe braucht mich nur zu wittern, und schon ist es um sie geschehen.« Er nahm sein Cape vom Bett und legte es sich wieder um die Schultern. »Also, wie ist es? Bleibt's beim Cafe Greiff? Ganz unverbindlich, ja? Wenn wir uns verpassen, treffen wir uns morgen früh im Tiergarten zum Schlittschuhlaufen, beim Pavillon am großen See. Und erzähl mir bloß nicht, daß du arbeiten willst. Nach so einer Nacht wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.« »Da kannst du recht haben«, sagte Justus Weigand und zog sich seine schwarze Jacke zurecht. »Also abgemacht: entweder — oder...« Arnold Scheer betrachtete ihn nachdenklich. »Eines verstehe ich nicht. Du kannst anhaben, was du willst - selbst wenn deine Klamotten aussehen wie aus der Lumpenkiste gezogen, du siehst immer blendend aus! Und ich...« Justus Weigand klopfte ihm gutmütig auf das pralle runde Bäuchlein. »Das kommt von deinem Embonpoint. Iß ein bißchen weniger, und vor allem, trink nicht so viel Bier, und du wirst sehen...« Arnold Scheer hob abwehrend die Hände. »Hungern und dursten soll ich? Da sei Gott vor! Was sind das für lästerliche Ideen!« »Nur ein unverbindlicher Ratschlag. Aber ganz ehrlich, mir gefällst du so wie du bist.« Justus Weigand zog ihn liebevoll an seine Brust. »Du bist eine ehrliche alte Haut, und das ist die Hauptsache. Wenn ein Mädchen auch nur wagen sollte, etwas an dir auszusetzen, dann schick es zu mir...« Arnold Scheer lachte. »Das könnte dir so passen! Nein, tu du dir deine Eroberungen nur allein auf. Vor allem aber... grüß mir Cousine Clementine!« »Wird gemacht!« Als er gegangen war, tat Justus Weigand zwei kräftige Löffel Zucker in seine Teetasse, um sich das fade helle Gebräu schmackhaft zu machen, und leerte auch die zweite — um die Witwe Gübern nicht zu kränken. Er trank stehend und ließ dabei einen bedauernden Blick durch seine Bude schweifen. Justus Weigand fühlte sich sehr unbehaglich, wenn er an das Wiedersehen mit seiner Cousine dachte, und er wünschte von ganzem Herzen, daß dieser Abend schon vorüber wäre. |