Deutsch

Eine Liebe in Berlin

07.10.15 20:13
Re: Eine Liebe in Berlin
 
regrem патриот
в ответ regrem 07.10.15 20:04, Последний раз изменено 10.11.15 08:10 (regrem)
- 9 -

Den Weg durch das Krankenhausgelände zurück zur Straße liefen sie, Hand in Hand, ausgelassen wie Kinder; sie fühlten sich, wenigstens vorübergehend, befreit von der Last ihrer Verantwortung.
Wieder und wieder riefen sie sich Einzelheiten des großen Abenteuers dieser Nacht ins Gedächtnis, wurden von einem nicht enden wollenden Gelächter geschüttelt, mit dem sie sich von der gewaltigen seelischen Anspannung befreiten.
»Senta!« rief Clementine lachend. »Hast du nicht gestaunt, wie ich Senta sagte? Ich weiß im Augenblick selber nicht, wie ich dazu kam... aber ist es nicht ein herrlicher Name?«
»Ein wundervoller Name!« rief Justus Weigand. »Mir selber hätte kein schönerer einfallen können!«
»Und wie du ihr mit glatter Stirn erklärt hast: die Kleine ist meine Tochter! Also wirklich, ich musste an mich halten, um nicht laut herauszuplatzen!«
»Das war mein Einfall«, sagte Justus Weigand, »und der war auch nicht schlecht.«
»Oje!« Clementine presste sich die Hände gegen das Zwerchfell. »Aber du musst das morgen in Ordnung bringen, Justus, nicht wahr, du wirst daran denken?«
»Woran?«
»Nun, du kannst doch Rosas Kind nicht als dein eigenes ausgeben!«
Er schluckte die Antwort, die er zuerst hatte geben wollen, sagte stattdessen: »Darüber wollen wir uns heute nicht den Kopfzerbrechen!«
»Du hast doch nicht etwa vor...«
Sie kam nicht dazu, den Satz zu beenden, denn in diesem Augenblick kündete ein noch zögernder erster Glockenschlag von der Adalbertkirche an, dass die Mitternacht hereingebrochen war. Sekunden später fielen die Glocken aller Kirchen von nah und fern mit ein. Böllerschüsse dröhnten, und am westlichen Himmel, über dem Tiergarten, gingen Feuerwerkskörper hoch.
»Das neue Jahr!« rief Clementine. »Es hat schon begonnen ... und wir haben den Silvesterball versäumt!«
»Mach dir nichts draus«, tröstete er, »wir haben Schöneres erlebt!« Er zog sie in die Arme. »Ein gutes neues Jahr, Clementine, und ein großartiges neues Jahrhundert wünsche ich dir!«
»Ich dir auch!« Ihr Gesicht, dicht vor dem seinen, wurde weich. Sie erinnerte ihn mehr denn je an das kleine Mädchen, mit dem er in vergangenen Jahren gespielt und gestritten hatte; sie bedeutete Kindheit für ihn, Heimat und Familie. »Clementine!«
Er küsste sie auf den Mund, und ihre Lippen öffneten sich mit einer Leidenschaft, die ihn bestürzte und verwirrte.

 

Перейти на