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Eine Liebe in Berlin
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в ответ regrem 07.10.15 20:04, Последний раз изменено 10.11.15 14:41 (regrem)
Arnold Scheer musste mehr als einmal rufen, ehe Stefanie von Stucken und Justus Weigand bemerkten, dass er sie herbeizuwinken versuchte. Er stand mit Lisbeth von Panwitz schon nahe dem Ufer. »Wir müssen zurück, fürchte ich«, sagte Justus Weigand bedauernd. Stefanie schmiegte sich an ihn, leicht und anmutig wie eine Schneeflocke. »Schon?« fragte sie und blickte lächelnd aus ihren goldfunkelnden Augen zu ihm auf. Dann, als sie bei der nächsten Drehung selbst das Ufer zu Gesicht bekam, rief sie: »Oh, Sie haben recht, Herr Weigand. Da kommt schon mein Bruder. Er will uns abholen.« Sie löste sich aus seinen Armen, reichte ihm die linke Hand — in der anderen hielt sie ihren kleinen Muff —, und so, Hand in Hand, liefen sie auf das Paar am Ufer zu, zu dem sich jetzt auch, vom Rasenabhang her, Egon von Stucken gesellte. Obwohl die elegante Uniform eines Leutnants vom Regiment Kaiserin Alexandra, die er jetzt trug, ihn sehr veränderte und ihm den Anschein von männlicher Schneidigkeit gab, erkannte Justus Weigand in ihm doch sogleich den jungen Herrn, der ihm in der vergangenen Nacht durch die Verliebtheit seiner blutjungen Begleiterin aufgefallen war und Clementine Hergerts Missfallen erregt hatte. Auf Egon von Stucken hingegen schien die flüchtige Begegnung im Café Greiff keinen Eindruck gemacht zu haben. Möglicherweise hatte er Justus Weigand gar nicht, jedenfalls nicht bewusst, gesehen; seine Miene war völlig ausdruckslos. Justus war es so recht, denn so blieb ihnen beiden eine gewisse Peinlichkeit erspart. Egon von Stucken begrüßte seine Schwester, deren Freundin und dann Arnold Scheer, der ihn mit dem Freund bekannt machte. Egon von Stucken nahm den Arm seiner Schwester, half ihr den Hang hinauf. »Hoffe, du hast dich prächtig amüsiert, Kleines«, sagte er zackig, »bedaure ungemein, das Zusammensein stören zu müssen.« Lisbeth von Panwitz bemühte sich, die beiden einzuholen. »Aber nein, das tust du doch gar nicht Egon«, beteuerte sie eifrig, »zu schade, dass du nicht mit uns laufen konntest!« Sie sah ihn mit schmachtenden Augen an. Er blickte flüchtig über die Schulter zurück. »Hatte leider gewisse Verpflichtungen...« Stefanie blieb stehen. »Aber jetzt bist du da, Egon, und kannst uns auch Gesellschaft leisten«, kam sie ihrer Freundin zu Hilfe. »Herr Scheer wird dir gewiss gerne für ein Viertelstündchen seine Schlittschuhe leihen, nicht wahr? Er ist sowieso schon ganz erschöpft, der Arme!« Arnold Scheer war tatsächlich immer noch nicht recht bei Atem und erklärte sich sofort zu diesem Freundschaftsdienst bereit. Aber Egon von Stucken winkte ab. »Bedauere außerordentlich. Habe den strikten Auftrag, die beiden Damen auf dem schnellsten Weg nach Hause zu bringen. Droschkong wartet beim Großen Stern. Wenn ich mir erlauben darf, die Herren ebenfalls ein Stück mitzunehmen?« »Danke, sehr liebenswürdig von Ihnen, aber wir haben es nicht so eilig«, erklärte Justus Weigand prompt, »nicht wahr, Arnold?« Arnold Scheer zog eine Grimasse. »Ganz richtig«, sagte er. Aber als die anderen sich wieder vor ihm in Bewegung setzten, zischte er dem Freund zu: »Warum hast du das gesagt?« Justus Weigand grinste. »Na, wir haben doch noch einiges zu bereden, oder etwa nicht?« Arnold Scheer warf ihm einen bösen Blick zu und beeilte sich, nach vorn, an Stefanies rechte Seite, zu kommen. Doch es nützte ihm nichts, Egon von Stucken ließ sich nicht beiseite drängen, sondern half selbst seiner Schwester beim Wechseln der Stiefeletten. Justus Weigand übernahm Lisbeth von Panwitz. Er wusste nicht recht, ob er dieses Arrangement bedauern oder sich darüber freuen sollte. Gewiss, er hätte gern noch ungestört mit Stefanie zusammengesessen, aber andererseits war sie ihm in der knappen Stunde, die er mit ihr verbracht hatte, so nahegekommen, dass ihm die Intimität dieses Kavaliersdienstes, obwohl er durchaus im Rahmen des Herkömmlichen lag, peinlich gewesen wäre. Er hätte gern gewusst, was in Stefanie vorging; aber sie plauderte ganz unbefangen mit ihrem Bruder. Erst beim Abschied richtete sie wieder das Wort an ihn. »Auf Wiedersehen, Herr Weigand«, sagte sie und reichte ihm die Hand, »Jeden Donnerstag hat Mama ihren Jour fixe. Sie würde sich gewiss freuen, wenn Sie sich bald einmal sehen ließen.« Sie sagte es gleichmütig, lächelte dabei, aber es war ihm, als wollte sie ihm mit ihren weit offenen, goldgesprenkelten Augen ein Signal geben. »Das würde mir eine große Ehre sein, gnädiges Fräulein«, sagte er und verbeugte sich formell. Sie gab seine Hand frei. »Dasselbe gilt natürlich auch für Sie, Arnold«, sagte sie. »Die Ehre wäre janz unsererseits«, fügte Egon von Stucken hinzu, reichte seiner Schwester den einen, Lisbeth von Panwitz den anderen Arm und führte beide den Weg entlang. |