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в ответ regrem 17.02.16 17:53, Последний раз изменено 14.03.16 12:21 (regrem)
27.1 ICH HATTE etwas lustlos zu Abend gegessen, das ältere Paar am Nebentisch war längst abgereist, ich hatte in einer Zeitung geblättert und mich weiter in meinen Grübeleien verloren. Carlo setzte sich zu mir an den Tisch, haben Sie heute Abend schon etwas vor? fragte er, ich denke noch darüber nach, sagte ich, ich rate Ihnen dringend, sagte er, diesen Abend im Hotel zu verbringen, das Hotel wird bereits seit heute Morgen beobachtet. Beobachtet? Von wem? fragte ich, es handelt sich um Leute, die mit dem Museum zu tun haben, sagte er, die meisten sind Bekannte, einige sogar entfernte Verwandte von Dottore Alberti, sie halten sich schon den ganzen Tag in der Strandbar auf. Und was wollen sie? fragte ich, sie werden herauszubringen versuchen, wann Sie im Hotel sind und wohin Sie -gehen, sie sammeln Beweise. Beweise wofür? fragte ich, Beweise, sagte er, ganz einfach Beweise, die man dann für irgendeinen Zweck verwenden kann. Und deshalb soll ich mich vorsehen, deshalb soll ich mich in meinem Hotelzimmer verstecken? fragte ich, mein Gott, antwortete er, unter diesen Menschen könnte es auch einen geben, dem das nicht genügt, irgendeiner von ihnen, vielleicht ein junger Bursche, der sich an einem Sonntag etwas langweilt, könnte auf andere Gedanken kommen, er könnte Ihnen zum Beispiel zu nahe treten, er könnte Streit suchen, eine Auseinandersetzung provozieren, es gibt da sehr viele Möglichkeiten. 27.2 Carlo, sagte ich, Sie übertreiben ja noch mehr, als es in den Pescatori dt perle erlaubt ist, ich denke nicht daran, mich auf Grund solcher phantastischer Warnungen zurückzuhalten. Bitte, sagte er, wie Sie wollen, ich habe Sie ausdrücklich gewarnt, ich werde einen Spaziergang machen, sagte ich, den süßen Abend genießen, tun Sie es nicht! sagte er noch einmal und diesmal beschwörend, ich trinke gerne etwas mit Ihnen zusammen, wenn Sie hier im Hotel Gesellschaft brauchen. Haben Sie noch einmal einen kleinen Stadtplan für mich? fragte ich, was wollen Sie wissen? sagte er, ich will herausbekommen, wo die Signora wohnt, antwortete ich, hier, sagte er, hier ist der Stadtplan, Sie laufen geradewegs in Ihr Verderben! Ich steckte den kleinen Plan ein und ging los, Carlo begleitete mich noch bis zum Eingangstor, ich hatte plötzlich sogar wirklich Lust, den breiten Boulevard am Strand wieder entlangzugehen, er war viel voller als sonst, es herrschte der übliche laute Sonntagabendbetrieb, die Vorgärten der Hotels waren erleuchtet, überall standen Menschen in reger Unterhaltung, auf den Tennisplätzen wurde im schwachen Flutlicht gespielt, selbst die Bocciabahnen waren noch in Betrieb. Ich durchstreifte diese Terrains, ich blieb nirgends lange, ich schaute mir ruhig all diese Betriebsamkeit an, sogar auf den Spielplätzen wurde es immer lauter, ein Karussell kreiste zum schnarrenden Gesang eines bunten Harlekins, kleine Pferdekutschen zogen, schwer mit Kindertrauben beladen, durch ein Pinienwäldchen, die Kinder schrien jedes Mal auf und jubelten, wenn sie an ihren Eltern vorbeifuhren. Ich setzte mich auf eine Bank oder stellte mich für ein kühles Bier an die Theke einer Bar, ich registrierte beinahe übergenau, was ich sah, ich begann, um nicht dauernd an Franca zu denken, Notizen zu machen, ich spielte mir die Rolle eines Mannes vor, der eifrig recherchierte. Ich hätte es bei Stichworten bewenden lassen können, Stichworte aber genügten mir nicht, ich wollte so etwas wie Präzision, Klarheit, ja sogar Schönheit, eine exakte, anschauliche Schrift, die das Gesehene nicht nur streifte, sondern vor dem inneren Auge noch einmal entstehen ließ. Ich schrieb, ich korrigierte, ich feilte an einzelnen Wendungen und baute Satzteile um, die leeren, weißen Plastik-Stuhlreihen vor der Großleinwand im Freien, wie starre Pinguine, die die Flügelstummel zu Boden strecken ..., der abendliche 'Lichteinfall auf den Kiesflächen der Spielplätze, der die sf irrigen Paare der Piniennadeln zu braunen Wellen hau ter denen die weißen Kiesel wie ferne Muscheln aufschimmern ..., die Bückbewegungen der Bocciasfpieler, die eine herumliegende Boccia-Kugel mit einer Hand auffischen und sie dann in der leicht geöffneten Hand ruhen lassen, während die Boccia-Spielerinnen die Kugel mit der Hand umschließen, sie abtasten und drehen, als arbeiteten sie an einem Teig ..., es machte mir immer mehr Vergnügen, solche Beobachtungen festzuhalten, am liebsten hätte ich noch weiter ausgeholt, die eine Beobachtung mit der nächsten zu verbinden, das würde dann, dachte ich plötzlich, eine Erzählung der letzten Tage ergeben, und auf diese Weise entstünde am Ende vielleicht sogar ein Roman. Eher in metaphorischem Überschwang hatte ich Gianni Alberti gegenüber erklärt, dass Franca und ich an einem Roman schrieben, was aber wäre, wenn ich eine solche Wendung wörtlich nehmen und mit dem wirklichen Schreiben beginnen würde? Plötzlich das Meer, ganz nah, dachte ich, so müsste dieser Roman anfangen, mit der ersten, mir in Erinnerung gebliebenen Beobachtung, plötzlich das Meer, ganz nah, das wäre mein erster Satz, ich murmelte ihn vor mich hin, er elektrisierte mich, so ein Einstieg war etwas anderes als die spröden Ein-stiege meines bisherigen Textern. Beim Texten hatte ich Kommentare zu Bildern geschrieben, am besten funktionierte so etwas als beiläufiges Sprechen, als nur schwach wahrgenommene Bildfolie oder als Bilduntergrund, der sich nicht aufdrängen und nicht von den Bildern ablenken durfte, das Texten war jedenfalls nie Erzählung geworden, die Poesie war immer den Bildern vorbehalten geblieben und hatte im Text nichts zu suchen gehabt. Während des Studiums hatte ich noch zu meinem Vergnügen Texte über Bilder geschrieben, ich hatte mich in einem Museum mit dem Fernglas vor ein Bild gesetzt und es Detail für Detail studiert, ich war vom Bildganzen, einem Stoff, einem Motiv, einem Thema, zu den Einzelheiten übergegangen, das war meine Methode gewesen, ein Bild zu kopieren. Ich hatte solche Schriftkopien aus Mangel an Zeichentalent angefertigt, ich hatte sie niemandem gezeigt und zu Hunderten in einer Zeichen-mappe gesammelt, erst während meines Praktikums beim Sender hatte ich mich wieder an sie erinnert. Kameramänner wie Rudolf hatten sich damals über meinen Bild-Blick gewundert, ist das ein Bild? hatte Rudolf zum Spaß und zur Übung immer wieder gefragt, ich hatte verstanden, dass es darauf ankam, einen sicheren Blick für ein gutes Film-Bild zu entwickeln, genau darin hatte ich die Verbindung zwischen meinem Studium und meinem späteren Beruf dann gesehen, aus einem hilflosen Bilder-Süchtigen, der nicht zeichnen, wohl aber mit Worten umgehen konnte, war schließlich ein Sammler von Bildern geworden, der gute Bilder entdeckte, sich aber mit spröden und sachlichen Kommentaren zurückhielt. Plötzlich das Meer, ganz nah ..., dachte ich, so ein Einstieg wäre für Dich etwas Neues, vielleicht wäre es sogar ein Einstieg in einen Roman ganz aus Bildern. Als es dunkelte, näherte ich mich immer mehr der Gegend, in der Franca wohnen musste, es war ein höher gelegenes, älteres Terrain der Stadt, eine sehr kleine und unscheinbare Altstadt mit einem Befestigungsturm und den Resten einer mittelalterlichen Stadtmauer, die Gassen waren dunkel und schmal und eigneten sich nicht für den Verkehr, es roch kühl, feucht, wie in sehr tief liegenden Kellern. Ich erreichte einen ovalen, ringsum von Häusern umschlossenen Platz, eine Trattoria hatte dort einige Tische und Bänke gruppiert, am Rande des Platzes, noch im Dunkel einer Gasse, hielt ich ein, als ich Franca mit ihrem Vater erkannte. Vater und Tochter beim Abendessen, in angeregtem Gespräch ..., dachte ich beinahe zwanghaft, ihr Vater sprach, er wirkte viel jünger, als ich es mir vorgestellt hatte, er war ein schlanker, mittelgroßer Mann mit sehr schönen feingliedrigen Händen, er machte einen angenehm konzentrierten Eindruck, er schaute Franca immerzu an, während er sprach, er gestikulierte kaum, aus der Entfernung hörte sich sein Reden ruhig an, wegen der Vertrautheit, die die beiden ausstrahlten, hätte man sogar denken können, sie seien ein Paar. Franca trug das grüne Kleid, das sie bei unserer ersten Begegnung getragen hatte, ich hatte dieses Kleid sofort im Blick, es erschien mir wie ein geheimes Zeichen, das nur wir beide verstanden, als verbinde dieses Kleid mich mit ihr oder als säße sie eigentlich jetzt mit mir zusammen. Ich wartete noch einen Moment, ich fand, es gehörte sich nicht, dass ich die beiden beobachtete, ich wartete nur, bis ich mir das Bild genau eingeprägt hatte, das Grün ihres Kleides, das das Rotblond der Haare aufscheinen lässt wie einen Flammenstreifen ..., ihre Finger, schmaler und noch feiner als die ihres Vaters, in deren Nähe sie etwas Marionettenhaftes bekommen, als würden sie von denen des Vaters unmerklich geführt und gelenkt..., die flachen Schuhe, die beide tragen und die, aufeinander verweisend, wie Schuhe für ein späteres gemeinsames Tanzen erscheinen ..., der goldene Ring ihres Vaters am kleinen Finger der Rechten, als habe er ihn eigens für dieses Gespräch aus einem Schatzkästlein gefischt ..., als ich genug gesehen hatte, schlich ich davon. Ich war froh, die beiden gesehen zu haben, ich konnte mir die Szene jetzt genau vorstellen, ich fühlte mich sogar etwas mit einbezogen, der schweigende Dritte im Gespräch, vielleicht sprachen sie ja sogar von mir. Plötzlich war ich ganz ruhig, ich ging, ohne noch irgendwo einen Halt einzulegen, zurück zum Hotel, ich hatte gesehen, was ich hatte sehen wollen. Der Vorhof des Hotels war noch hell erleuchtet, von der Strandbar drang Musik herüber, Carlo saß mit einigen Gästen in der Nähe der Tür, er gab mir ein Zeichen, einen Moment auf ihn zu warten, führte seine Unterhaltung zu Ende und kam dann zu mir. Trinken wir etwas zusammen? fragte er, haben Sie Lust?, ich nickte, ja, jetzt hatte ich wieder Lust, ich hatte das Bild von Vater und Tochter noch immer im Kopf, ich war damit verbunden, selbst das lästige, aufdringliche Leben ringsum war jetzt wieder genießbar. Carlo verschwand und kam mit einer Flasche Rotwein und zwei Gläsern zurück, setzen wir uns, sagte er, ich habe eine Nachricht für Sie, er erweckte wieder den Eindruck, als handle es sich um dramatische Neuigkeiten, dann sagte er aber nur, der Vater der Dottoressa hat sich bei mir gemeldet, er lässt anfragen, ob Sie ihm morgen gegen fünfzehn Uhr für eine halbe Stunde zur Verfügung stehen würden. Ich schaute ihn an, ich musste grinsen, was ist? fragte Carlo, wollen Sie der Sache lieber aus dem Weg gehen?, im Gegenteil, antwortete ich, ich stehe ihm, wann immer er es wünscht, zur Verfügung, übrigens habe ich die beiden gesehen, sie essen zusammen zu Abend, auf dem kleinen Altstadtplatz in der Nähe des mittelalterlichen Turms. Carlo schenkte den Wein ein, wir stießen mit unseren Gläsern an, ich fühlte mich müde, aber gelassen und sicher, ich hörte Carlo gern zu, der plötzlich wieder zu erzählen begann, Vater und Tochter ..., man sah sie früher sehr häufig zusammen, sie gingen zusammen aus, man sah sie in den Cafés und bei Veranstaltungen, man hatte sich an diesen Anblick gewöhnt, sie kamen zu zweit, sie mischten sich unter die Leute, manchmal bekam man sogar mit, wie sie sich unterhielten, sie sprachen überhaupt nicht wie Vater und Tochter, auch nicht wie Mann und Frau, sondern ..., wie?, ja wie soll ich es nennen? ..., wie ein eingespieltes Paar, das sich die Bälle zupasst..., sagte ich, ja, sagte er, genauso, manchmal sah man sie davonziehen, er sprach, sie unterbrach ihn, er sprach wieder, sie unterbrach, sie unterhielten sich ununterbrochen, es machte ihnen anscheinend großen Spaß, immer neue Ideen und Vermutungen auszutauschen, können Sie sich das vorstellen? fragte Carlo und schaute mich so neugierig an, als habe er gerade eine interessante Partie Schach eröffnet, ja, sagte ich, ganz genau, ich kann es mir ganz genau vorstellen.. |