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Почитаем?

17.02.16 18:37
Re: Почитаем?
 
regrem патриот
в ответ regrem 17.02.16 17:53, Последний раз изменено 14.03.16 12:30 (regrem)
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AN DEM FREITAG, an dem ich ihre Ankunft erwartete, fuhr ich nicht in die Redaktion, ich stand noch früher auf als sonst, ich holte mein Fahrrad hervor, besorgte mir mehrere Zeitungen und fuhr dann stundenlang durch die Stadt. Den ganzen Tag verbrachte ich mit kleinen Besorgungen, ich kaufte Wein und etwas zu essen für die nächsten Tage ein, dann kümmerte ich mich um die Wohnung, ich räumte auf und stellte einen Strauß Blumen in die Vase in der Nähe des großen Fensters.
Am frühen Abend nahm ich zwei Zeitungen unter den Arm, ich schloss die Wohnungstür ab und dachte, ab heute Nacht kommst Du nicht mehr allein hierher zurück, es war ein warmer, stiller Sommerabend, die Straßen waren leer, die meisten Anwohner waren längst in die Ferien gefahren. Ich brauchte kaum zehn Minuten bis zur Osteria, ich hatte einen ganz bestimmten Tisch in der Nähe des Eingangs reserviert, ich öffnete die Tür des Lokals und trat durch den Spalt des dunklen Vorhangs hinein, einer der Kellner kam auf mich zu, begrüßte mich, deutete auf den Tisch und sagte, ist es der Richtige, wollten Sie genau diesen Tisch? Ja, sagte ich, vielen Dank, genau diesen, ich erwarte noch eine zweite Person, die Signora kommt in einer halben oder dreiviertel Stunde, ich habe etwas zu lesen dabei, bringen Sie mir doch schon die Karte und ein Glas Weißwein.
Ich setzte mich, ich nahm mit dem Rücken zum Eingang Platz, ich studierte ausführlich die Karte und komponierte im stillen ein kleines Menü, dann schaute ich auf die Uhr, ich ließ den Kellner kommen, um bereits zu bestellen, ich sagte, bringen Sie jetzt eine Flasche, es ist gleich soweit. Sind Sie ganz sicher? fragte er, oder sollen wir nicht lieber warten?, nein, sagte ich, bringen Sie jetzt den Wein, ich bin ganz sicher. Er brachte die Flasche, öffnete sie und ließ mich kosten, er stellte die Flasche in einen Kübel mit Eis, das Eis klirrte leise, da hörte ich, wie die Tür des Lokals sich öffnete, ein schwacher Windzug fuhr durch den Raum, jemand trat ein, der Kellner bewegte sich eilig zum Eingang, buona sera, signora, sagte er, Sie werden bereits erwartet.
Ich hörte ihre Stimme, buona sera, vielen Dank, sie klang sehr ruhig, vollkommen sicher und war von jener melodisch klingenden Art, die mich schon einmal hatte aufhorchen lassen.


- ENDE -


Die große Liebe

 

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